Wenn Apotheken im ländlichen Raum verschwinden
Wie bleibt die Apotheke vor Ort konkurrenzfähig? Was macht Apothekern das (Über-)Leben schwer? Warum ist der Wettbewerb zwischen Online- und Präsenzapotheken unfair? Welche politischen Weichenstellungen sind richtig und welche fehlen noch? Darüber diskutierten auf der gemeinsamen Veranstaltung des Gesundheitspolitischen Arbeitskreises (GPA) und der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) Kreis Kleve zahlreiche Gäste.
Dazu gehörten nicht nur viele Apotheker. Dr. Peter Liese (EVP) ist von Haus aus Arzt und sitzt im Gesundheitsausschuss im EU-Parlament. Sascha van Beek (CDU, Mitglied des Bundestags) kennt das Gesundheitswesen durch seine berufliche Tätigkeit als Krankenpfleger und Medizincontroller. Auch van Beek ist Mitglied des Gesundheitsausschusses und seit kurzem Mitglied im CDA Bundesvorstand.
Ulrich Schlotmann, Pressesprecher der Apotheker im Kreis Kleve, blickt auf eine fast 50-jährige Tätigkeit als Apotheker und hat Anfang der 80er Jahre seine Apotheke in Goch-Pfalzdorf gegründet. Bastian Schlotmann, Mitglied der Kammerversammlung AK-Nordrhein und Kreisvertrauensapotheker, hat erfolgreich die Apotheke seines Vaters übernommen und kämpft dafür, dass die Apotheken vor Ort erhalten bleiben.
Eine Frage zum Nachdenken
„Stellen Sie sich vor, die Apotheke, zu der sie immer gehen, ist plötzlich nicht mehr da. Was machen Sie dann?“ eröffnete Moderator Cedric Röhrich die Diskussion. Die Frage sollte zum Nachdenken anregen. „Welche Aufgaben haben Apotheken und was führt zu Schließungen aber kaum Neueröffnungen?“ wollte Röhrich wissen.
Bastian Schlotmann sieht in Bürokratie, Personal- und Wohnungsmangel und Onlineregelungen Gründe, weshalb Apotheken schließen. Das Fixum der Apotheker sei in den letzten 20 Jahren nicht angepasst worden, während Zahlungen anderer medizinische Berufe angeglichen wurden. Dass das gerade beschlossene Fixum zweistufig erfolgen wird, kritisierte Bastian Schlotmann gegenüber Sascha van Beek, der erwiderte, dass die Kritik berechtigt sei: „Wenn wir Dinge ins Schaufenster bringen, müssen wir die auch verkaufen“. Es sei ein wichtiges Anliegen, dass das Fixum erhöht wird und umgesetzt werden soll.
„Weshalb gibt es so viele Krankenkassen? Wo wird dort gespart?“ fragt Bastian Schlotmann in die Runde. „Zu viele Krankenkassen bedeuten zu viel bürokratischer Aufwand.“ Ein Teilnehmer aus dem Publikum stimmte zu: „Bei Verhandlungen muss jedes Mal mit allen Krankenkassen verhandelt werden. Das ist sehr zeitraubend.“
„Was kann die EU für die deutschen Apotheken tun?“ fragte ein Apotheker aus Geldern und forderte von der Politik, dass die Versandbedingungen für alle Apotheken in der EU gleichberechtigt verbindlich sein müssen.
Allgemeine Zustimmung zur Reform
Die beschlossene Apothekenreform kam bei den anwesenden Teilnehmern im Allgemeinen gut an. Sie bietet Apotheken künftig in einem bestimmten Rahmen die Möglichkeit an, Impfungen, Diagnostik, Vorsorge und mehr anzubieten. „In Zeiten knapper Arzttermine ist das eine Entlastung der Hausärzte und sehr positiv für Patienten“, erklärte Bastian Schlotmann.
Eine junge Apothekerin meinte: „Die Reform ist gut, aber nur als Start zu sehen. Wie sieht die Zukunft für junge Apotheker aus?“ Ulrich Schlotmann antwortete mit Bedauern: „Wenn ich an Doc Morris oder Shop Apotheke denke, mache ich mir echte Sorgen.“
Aus der Diskussion nahm Peter Liese mit nach Brüssel, dass in Deutschland gesprochene Urteile in den Niederlanden auch umgesetzt werden sollten. Er sprach zudem das Thema Arzneimittelknappheit an. Liese setzt sich auf EU-Ebene maßgeblich für eine sichere Medikamentenversorgung ein. „Deutschland und Europa müssen ein klares Signal senden, dass die Versorgung mit Arzneimitteln gesichert und die Produktion in der EU lohnend ist“, so Liese.